Bezahlbarer Wohnraum braucht ein Konzept – ohne die Versiegelung wertvoller Ackerflächen

Das Baugebiet Rennäcker wirbt mit dem Versprechen günstiger Wohnungen. Doch das ist nur ein Feigenblatt, denn es gibt keine konkreten Planungen dafür. Es ist völlig offen, ob dort wirklich günstige Wohnungen gebaut werden. Gleichzeitig würden wertvolle Ackerflächen verloren gehen – mit gravierenden Folgen für Klima, Umwelt und die langfristige Entwicklung Hirschbergs.

Ohne Konzept keine günstigen Wohnungen

Bis heute gibt es keine Festlegung, wie viele Wohnungen im Neubaugebiet tatsächlich preisgebunden oder preisgedämpft sein sollen, und keine Rahmenbedingungen, die niedrige Bodenpreise ermöglichen würden. Bei zu erwartenden Bodenpreisen von 600 bis 900 Euro pro Quadratmeter, den aktuellen hohen Baukosten und vielen privaten Eigentümern wird dort nur entstehen, was der Markt hergibt: Wohnraum für diejenigen, die sich hohe Preise leisten können. Die Gemeinde nutzt ihre Steuerungsmöglichkeiten nicht, und ob sie bereit und wirtschaftlich in der Lage sein wird, soziale Wohnprojekte zu finanzieren, ist unklar.

Wohnungspotentiale im Ort nutzen

Dabei ließe sich Wohnraum im Ort schaffen, denn Hirschberg hat über 220 leerstehende Wohnungen und etwa 150 unbebaute Grundstücke. Doch die Gemeinde tut seit Jahren nichts dafür, dass diese Häuser und Wohnungen genutzt werden. Wir sehen verwaiste Häuser in unseren Ortsmitten, aber bauen neue Wohnungen auf der grünen Wiese – das ist ökonomisch, ökologisch und städtebaulich Unsinn. Andere Gemeinden machen es vor, wie Leerstand aktiviert werden kann, etwa durch die Ansprache von Eigentümern, die zeitlich begrenzte Anmietung durch die Gemeinde selbst und die finanzielle Unterstützung von Renovierungsarbeiten. Doch weder die Verwaltung noch der Gemeinderat sind für solche Strategien offen.

Zukunftsorientiert handeln

Nun soll fruchtbarer Ackerboden versiegelt werden, weil das die einfachste Möglichkeit scheint, Wohnungen zu schaffen. Dabei ist natürlicher Boden von hohem Wert: Er speichert Wasser, bindet CO2, kühlt die Umgebung und bietet Platz für Tiere und Pflanzen. Durch eine Versiegelung gehen all diese Funktionen unwiederbringlich verloren. Das führt zu mehr sommerlicher Hitze im Ort, geringerer Versickerung bei Starkregen und weniger Grundwasserbildung. Für die heimische Landwirtschaft bleibt immer weniger Fläche übrig.

Wer jetzt die gesamte Fläche bebaut, nimmt zudem den kommenden Generationen die Möglichkeit, den Ort nach ihren Bedürfnissen zu gestalten. Je mehr wir versiegeln, desto weniger bleibt für unsere Kinder und Enkel.

Die GLH hat von Anfang an gefordert, vor einem Aufstellungsbeschluss klare Rahmenbedingungen zu definieren und eine belastbare Strategie für bezahlbaren Wohnraum zu erarbeiten. Doch die Gemeinde hat kein Konzept entwickelt und die Bevölkerung erst spät einbezogen. Dabei hätte dies viele Konflikte vermeiden können und zu einer Lösung geführt, die sozial, ökologisch und ökonomisch tragfähig ist.

Der Bürgerentscheid am 30. November bietet Hirschberg die Chance, die Weichen richtig zu stellen. Eine Ablehnung des Neubaugebiets Rennäcker bietet die Chance für eine Wohnungspolitik mit Konzept, damit wirklich günstige Wohnungen entstehen können. Wählen Sie „Ja“ beim Bürgerentscheid für lebendigere Ortsmitten, weniger Verkehr, weniger Versiegelung und mehr Klimaschutz.

Die GLH steht bereit, gemeinsam mit der Bürgerschaft ein tragfähiges, soziales und zukunftsorientiertes Konzept für bezahlbaren Wohnraum zu entwickeln – ohne unnötig Ackerflächen zu verlieren.